Immer wieder kommt es vor, dass Menschen davon ausgehen, dass es mir besser ginge, wenn ich mir nur mal selbst in den Arsch treten würde.
Ich habe keine Lust mehr immer wieder von solchen Menschen in die Rechtfertigung gedrängt zu werden. Daher schrieb ich diesen Post und werde künftig nur noch darauf verweisen, wenn ich wieder derartige Sprüche zu hören bekomme.
Aber zunächst möchte ich - für das bessere Verständnis - ein wenig auf meine Vorgeschichte eingehen.
Krank zu sein ist nicht alleine das, dass ich mich beschissen fühle - mit Pech über Tage und Wochen über 24 Stunden am Tag - also auch nachts, bevor mein Körper mir mal wieder eine Pause gönnt, in der alles etwas erträglicher ist...
Nein... - ich mache mir natürlich auch so meine Gedanken und stelle mir selbst Fragen:
- Werde ich jemals wieder gesund?
- Und wenn ja: wie lange wird es dauern, bis ich wieder gesund bin?
- Welche Chancen habe ich überhaupt wieder zu gesunden?
- Was kann ich selbst tun, dass ich wieder gesund werde?
- Woher nehme ich die Kraft, um etwas für meine Gesundheit tun zu können?
- Werde ich wieder enttäuscht werden, wenn ich es einmal wieder geschafft habe eine Maßnahme zu beginnen und durchzuführen, die mir zu Gesundheit verhelfen soll und die doch - mal wieder - keine Erfolge bringt?
- usw.
Dennoch denke ich nicht laufend über die vorgenannten Fragen nach - oder womöglich darüber, wie schlecht es mir doch geht. Vermutlich würde ich nicht mehr leben, wenn ich das täte, denn es macht noch depressiver, zieht mich noch mehr runter.
Manchmal kann ich solche Gedanken aber nicht verhindern - insbesondere dann nicht, wenn es wieder schlimmer wird. Ich bin nur ein Mensch.
Menschen haben heutzutage leider nur noch zu funktionieren. Ich aber funktioniere nicht mehr, mein Körper funktioniert nicht mehr.
Ich mag übrigens auch nicht mehr die Frage "Wie geht es Dir?" hören, denn die meisten wollen doch nur eine positive Antwort hören oder vielleicht noch ein "Es geht..." oder "Muss ja..." und so einen Mist. Ein "beschissen" wird nicht akzeptiert. Warum werde ich dann überhaupt noch gefragt, wenn man es eh nicht wissen will oder es nicht so hören will, wie es nun einmal ist?
Ich kann mit so einem verlogenen Mist nichts mehr anfangen und frage diese Höflichkeitsgeplänkelfrage daher auch selbst immer seltener (alleine schon um die entsprechende Gegenfrage zu vermeiden) - selbst, wenn mir das als Unhöflichkeit ausgelegt werden würde. Pech halt...
Zum Thema "funktionieren"
Deutsche Rentenversicherung und Arbeitsamt stufen mich als "Voll erwerbsgemindert" ein, dazu habe ich einen Grad der Behinderung (GdB) von 60.
Die Deutsche Rentenversicherung lehnte gerade sogar eine Reha ab, weil deren Mediziner anhand meiner medizinischen Unterlagen zu der Auffassung gelangt sind, dass eine Reha bei mir sowieso nichts mehr bringen würde.
Tja... - die einen sind vermutlich nicht krank genug für eine Reha und die anderen sind so krank, dass eine Reha nichts mehr bringt. So kann man natürlich gut Kosten sparen.
Das beste wäre wohl, der Blitz würde mich treffen und ich wäre weg. Ich muss mich nicht mehr weiter quälen und koste dem System dazu nicht mehr unnötig Geld.
Kämpfen? Verzweifeln? Oder?
Ich habe bis zum Herbst 2010 gekämpft... - um meine Gesundheit, um meinen Job, den ich gesundheitlich bedingt dann doch aufgeben musste.
Zu kämpfen war für mich ein Fehler. Ich habe damit wertvolle Lebensenergie verbraten und kam dadurch nicht einen Millimeter weiter - wirklich - keinen einzigen Millimeter. Im Gegenteil frustrierte es mich nur immer mehr und mehr und mehr, bis ich dann im Herbst letzten Jahres zusammenbrach.
Ich kämpfte und ich war verzweifelt. Ich hatte das Vertrauen in das Leben verloren, fühlte mich haltlos und verlor mich selbst.
Seit dem Frühling 2011 versuche ich nur noch im Hier und Jetzt zu sein, täglich aufs Neue meine innere Mitte zu finden und Vertrauen ins Leben zu finden, denn mir ist klar: ich wandele auf dünnem Eis, Suizidgedanken sind ganz schnell wieder da, wenn es mir etwas schlechter geht und ich meine Mitte verliere oder sie gar nicht erst finden kann.
Was wurde schon versucht?
Seit Ausbruch der Schmerzen Mitte 2009 hatten die Ärzte folgende Ideen, um mir zur Heilung zu verhelfen oder meine Schmerzen zu lindern:
- Cortisol: Ich bekam es mehrfach gespritzt. Entzündungswerte, die leicht erhöht waren, gingen wieder zurück auf Normalwerte. Aber die Schmerzen blieben leider.
- Diverse Schmerzmittel (auch härtere) als Pillen oder intravenös (ggf. auch 2 verschiedene direkt hintereinander gespritzt). Ich hatte bestenfalls mal 20 Minuten lang so etwas wie eine kleine Erleichterung, wobei ich die Schmerzen dennoch spürte. Ich hätte die normalen Schmerzmittel in Massen in mich hineinschütten müssen um wenigstens mal kurze Erleichterung zu spüren.
Mit einer dann auch noch medikamenteninduzierten Autoimmunkrankheit (systemischer Lupus Erythematodes) ist das sicher keine gute Idee. Zudem meldete sich mein Magen schmerzhaft, der die Schmerzmedikamente nicht vertrug und meine Leber war zudem bereits durch ein anderes Medikament angegriffen.
- 5 mg Morphin: Ich war ausgeknockt - wie auch schon bei stärkeren Schmerzmitteln. Ich konnte mich kaum noch bewegen, mein Körper fühlte sich an als ob er einige Tonnen wiegen würde. Machte ich die Augen zu, sah ich surreale Dinge... - Bilder, die ständig in Bewegung waren und sich auf alle möglichen Arten veränderten. Weiterhin flog ich über irgendwelche Landschaften. Ich brauchte nur meine Augen zu schließen. An Schlaf war so nicht zu denken. Das einzige, was nicht weg war, waren die Schmerzen und ich nutzte stärkere Schmerzimpulse, um mich überhaupt noch bewegen zu können.
- Amitriptylin, ein Psychopharmakum, das meine Schmerzgrenze anheben sollte. Das tat es leider nicht. Dafür griff es in meinen Stoffwechsel ein und hob mein Gewicht um 5 kg an (ohne, dass ich mehr oder anders aß, denn ich achtete explizit darauf) - und das innerhalb von 35 Tagen.
- Katadolon: Ein Schmerzmittel und Muskelrelaxans, dass meine Schmerzen um etwa 1/3 dämpfte. Obwohl ich es schaffte, es zwischendurch immer mal wieder für 2 oder 3 Wochen abzusetzen, trat eine Gewöhnung ein, heißt, es wirkte immer schlechter, bis es nach etwa 1 Jahr Einnahme gar nicht mehr wirkte. Zudem ist Katadolon nicht gut für die Leber, die schon einmal angegriffen war.
- Physiotherapeutische Rekonditionierung: Über etwa 4 Wochen machte ich täglich ca. 4 Stunden folgendes: Gerätetraining, Ausdauertraining, Bewegungsbad, Gymnastik - alles mit Pacing, heißt ich war laufend dabei meine Schmerzgrenze um einiges zu überschreiten. Dazu gab es Akupunktur und Massage. Davor machte ich 15 Tage täglich eine Stunde Schmerztherapie - Gerätetraining mit Pacing. Der Erfolg von alledem: Ich kam eine kurze Zeit wieder besser mit den Schmerzen klar... - aber leider nur, bis ich wieder Streß ausgesetzt war. Nach dem Streß war innerhalb weniger Stunden alles wieder beim alten. Viele Tage harte Arbeit und Quälerei waren umsonst...
Es hilft eben auch nichts nur die Symptome zu behandeln. Solange die Ursachen bestehen, sind Rückfälle vorprogrammiert.
- Valdoxan, ein Psychopharmakum, das meine
Schmerzgrenze anheben sollte. Das tat es leider nicht. Dafür griff es offensichtlich auch in
meinen Stoffwechsel ein und hob mein Gewicht um einige kg an. Dabei war ich die 5 kg von dem ersten Versuch noch nicht wieder los - trotz des intensiven Trainings schrumpfte mein Gewicht damals nicht.
- Homöopathie: Ich versuchte so einiges - wie z. B. Nahrungsergänzung, homöopathische Schmerzmittel, hochdosiert Q10, machte Vitamin-B-Kuren, versuchte auch 5-HTP usw. - leider alles ohne Erfolg.
Ich suchte diverse Ärzte auf, Heilpraktiker, ja sogar Heiler. Zu letzterem werde ich auch noch mal hingehen. Leider muss ich Heilpraktiker, Heiler und Hypnotiseure alle selbst zahlen. Wer mich für verrückt hält, weil ich zu Heilern und zur Hypnose gehe... - von mir aus. Aber was soll ich machen, wenn die Schulmedizin bisher versagte?
Ich kann weitere Antidepressiva versuchen, um meine Schmerzgrenze zu erhöhen. Nur glaube ich nicht mehr an deren Wirkung. Ich habe auch schon andere Antidepressiva durch, die mir hinsichtlich Psyche keinen Deut Hilfe brachten, es mir mit diesen körperlich aber dauerhaft schlecht ging. Nebenwirkungen, die eigentlich irgendwann abklingen sollten, blieben mir für die Dauer der Einnahme erhalten.
Wenn ich Pech habe, bringt mir jeder weitere Versuch zudem weitere kg Gewichtszunahme. Wo soll das dann irgendwann enden? Wenn ich endlich 120 kg auf die Waage bringe und deshalb zusätzlich Depressionen bekomme? Mir sind die etwa 10 kg, die ich durch die Antidepressiva der letzten Versuche mehr auf den Knochen habe schon viel zu viel.
Ach ja... - mir stellt sich dann auch gerade die Frage, wie ich mich mit meinen Schmerzen und dann vielleicht 120 kg Gewicht auf den Knochen noch bewegen soll? Ich fürchte, DANN bin ich wirklich der Pflegefall, der ich niemals werden will.
In mir sträubt sich sowieso einiges, wenn ich auf Hilfe wegen etwas angewiesen bin. Aber ich nehme die Hilfe oft notgedrungen an. Ich bin auch dankbar für die Unterstützung, denn das Ergebnis von "ich mache meinen Mist alleine" ist dann oftmals, dass ich zusammenbreche und den Rest des Tages und vielleicht auch noch den nächsten Tag nur noch im Bett liege und nichts mehr machen kann.
Ein Schmerztherapeut weist mich ab
Von einem Schmerztherapeuten wurde ich auch schon abgewiesen, weil er mir nicht helfen könne - wie er schrieb.
Er sah sich meine umfangreichen Unterlagen an, die ich ihm zur Verfügung gestellt hatte. Weil ich keine Antidepressiva mehr nehmen will (warum auch, wenn sie nicht wirken und mir nur immer mehr Körpergewicht verpassen) und in meinem Zustand andere Medikamente - seiner Meinung nach - nicht anzuraten wären, könne er eben nichts machen.
Von einem anderen seiner Schmerzpatienten weiß ich, dass dieser nun täglich seine Dosis Morphium braucht, um zumindest schmerzreduziert zu sein. Na ja - die Hoffnung auf Schmerzfreiheit habe ich für mich auch aufgegeben. Aber nur leichte Schmerzen zu haben und keine Schmerzattacken mehr wäre schon wunderbar.
Aber mal ehrlich... - was soll ich mit Schmerztherapeuten, die es bei mir immer wieder auf die gleiche Art und Weise versuchen, die mit hoher Wahrscheinlichkeit ebenso so erfolglos sind wie bereits die Versuche der Schmerztherapeuten vorher auch?
Und wer garantiert mir, dass sich die Opiate nicht persönlichkeitsverändernd auf mich auswirken? Niemand garantiert mir das und es wird mir auch niemand garantieren, dass ich durch Opiate nicht vom Regen in die Traufe komme.
Aber ich - nur ich - werde dann diejenige sein, die mit den physischen und psychischen Folgen klar kommen muss - niemand anderes.
Angst vor Sucht bei fraglicher Wirkung
Meine Psychotherapeutin hat nicht nur mich als Schmerzpatientin. Die meisten ihrer Schmerzpatienten, die bereits auf Opiaten waren, wollten und/oder sind davon wieder runter, weil auch die Wirkung der Opiate irgendwann nachließ.
Warum sollte ich also erst auf Opiate gehen, um dann später mühsam wieder davon wegzukommen, weil sie doch nicht oder nicht mehr wirken? Leider habe ich zudem eine große Angst davor von so etwas abhängig zu werden oder zu sein. Wollte man mir so etwas aufzwingen, würde ich vermutlich auch panisch abwehrend reagieren.
Für den einen oder anderen mag sich das womöglich schlimm lesen... - aber ich bin lieber tot, wenn es soweit ist, dass die Schmerzen mich vollends umfangen und mich in den Wahnsinn treiben, bevor ich mir Suchtmittel verabreichen lasse, die nur vielleicht oder vielleicht eine Weile lang meine Schmerzen dämpfen würden.
Meine Angst davor süchtig zu sein ist viel größer als meine Angst vor dem Tod.
Jetzt komm mir aber niemand damit, dass alles irgendwo zur Sucht werden kann... Also bitte... Was ist z. B. Kaffee gegen Opiate? Ein Dreck...
Wenn ich es will, verzichte ich Wochen oder Monate lang auf Kaffee oder Süßigkeiten (die ich eh stark einschränkte) oder was auch immer. Aber bei Opiaten? Nein danke - das Risiko gehe ich nicht ein...
Zumal... - wenn ich auf Opiate in ähnlicher Weise reagiere wie auf starke Schmerzmittel und das Morphin, werde ich nur noch bewegungslos irgendwo herumliegen. Was für einen Sinn hätte das? Für mich definitiv keinen. In so einem Fall wäre der Tod für mich die bessere Wahl.
Aktuelle Maßnahme
Aktuell versuche ich es mit einer ärztlichen Hypnosetherapie, in der Hoffnung, dass diese einiges bewirken könnte. Natürlich zahlt das meine Krankenkasse nicht. Aber meine Gesundheit ist mir das Wert und verzweifelt genug bin ich auch. Evtl. sind da auch verdeckte Traumen in mir, welche meine chronischen Schmerzen zusätzlich anheizen. Womöglich käme ich alleine mit den körperlich verursachten Restschmerzen dann besser klar?
Künftig geplante Maßnahme
Sollte ich mit der Hypnosetherapie nicht oder nur wenig weiterkommen, werde ich die traditionelle chinesische Medizin versuchen.
Aktuelle Symptome und ihre Auswirkungen
Hier nun einmal ein Text, der meine Symptome sehr gut beschreibt:
Bei FMS liegt in der Regel eine Ganzkörperdauerschmerz-Problematik vor.
...
Der Symptomkomplex setzt sich zusammen
- aus den
erwähnten Dauerschmerzen,
- schneller Ermüdung bei
leichten Tätigkeiten mit verzögerter Erholung,
- Einschlaf-/Durchschlafstörungen,
- der Schlaf ist nicht erholsam,
- Druck-/Berührungsempfindlichkeit (als Allodynie und auch als
Hyperalgesie vorliegend),
- Schwellneigung der Extremitäten,
- Minderung der
Muskelkraft/-ausdauer,
- psychomotorische Verlangsamung mit
Konzentrations- / Gedächtnisminderung,
- Beschreibung eines negativen
Leistungsbilds,
- Depression u. a. als Ausdruck psycho-sozialer Folgen.
Der
Ganzkörperschmerz ist also kein Weichteilrheumatismus, keine
Muskelerkrankung, keine psycho-somatische und auch keine psychiatrische
Störung.
Quelle: Fibromialgie-Liga Deutschland e. V. - Richtige Einstufung des FMS
Dazu will ich noch erwähnen, dass ich die aufgeführte "Schwellneigung der Extremitäten" nicht habe, was vielleicht daran liegt, dass ich in meinem Alter noch über ausreichend bioidentisches Progesteron (P4) im Körper verfüge (zwischen dem 25. und 35. Lebensjahr verringert sich i.d.R. die Produktion im Körper), weil ich P4 zuführe.
Etwas bessere Tage wechseln sich ab mit schlimmen Tagen, wobei der Level meiner Lebensenergie an besseren Tagen leider auch immer noch sehr weit unten ist, was an der verzögerten Erholung liegen mag.
Die meisten Dinge, die gesunde Menschen mal so eben nebenbei erledigen, sind für mich oft eine große Sache. Wenn ich z. B. die Spüle in der Küche geputzt habe, bin ich oft völlig erledigt - von den stechenden Schmerzen in Fingern, Händen, Handgelenken und Armen oft auch bis in den Brustkorb hinen, was mir dann wieder auf die Atmung schlägt, einmal ganz abgesehen.
Ich bekomme schon auch mal den Putzrappel. Sofern ich dann zufällig einen besseren Tag habe, werde ich vielleicht verschont... - verschont von einem Zusammenbruch, weil ich mich schon mit einigen wenigen Dingen übernommen habe.
Die Grenze ist leider fließend und ich spüre vorher meistens nicht, wann ich sie überschreite. Ist sie erst überschritten, ist ein Zusammenbruch schnell da.
Manchmal ist die Grenze ganz schnell überschritten... - leider z. B. auch manchmal schon, wenn ich bei der Physiotherapie massiert werde (wobei es kaum keine Stelle am Körper gibt, die dabei nicht schmerzt und es sind nicht die gleichen Schmerzen wie damals, als ich massiert wurde und diese Ganzkörper-Muskelschmerzen noch nicht hatte) oder bestimmte Bewegungsabläufe durchführen muss. Einige Male bekam ich Panik... - einfach so - von jetzt auf gleich... Und ich brauche dann viel Kraft um zu verhindern, dass die Panik durchbricht. Manchmal kann es eine Weile dauern, bis ich die Panik wieder im Griff habe.
Den einen Tag treiben mich Kleinigkeiten an den Rand physischer und psychischer Erschöpfung, an einem anderen Tag nicht.
Bei meiner Dauererschöpfung und meinen Dauerschmerzen, die auch noch stetigen unwillkürlichen Schwankungen unterliegen, war es mir bisher nicht möglich etwas Konstantes zu erkennen, das mir dafür Orientierung geben könnte, wann ich mehr machen könnte und wann ich es lieber sein lassen sollte. Wie es aussieht gibt es diese Konstante wohl nicht.
Ich bin froh, dass ich es zumindest meistens schaffe mich morgens aus dem Bett zu quälen (wenn es auch oft sehr lange braucht, bis ich in die Gänge komme, denn ich muss oft starke Morgensteifigkeit und Schmerzen überwinden), ich schaffe meine Arztbesuche weitestgehend alleine wahrzunehmen und auch meine Einkäufe zu machen. Zumindest wird mir zzt. geholfen die Einkäufe vom Auto zur Wohnung zu tragen.
Nach solchen Terminen bin ich regelmäßig völlig fertig.
Es kommt aber auch immer wieder vor, dass ich Arztbesuche nicht wahrnehmen kann oder mal jemand etwas für mich mit einkauft.
Mein Leben ist insgesamt sehr langsam geworden, ICH bin langsam geworden. So empfinde ich es zumindest. Meine mentale Energie geht weitestgehend dafür drauf mich in eine Art Schmerztrance (den Begriff brachte meine Hypnotiseurin bei meiner ersten Sitzung auf) zu begeben, da Schmerzmedikamente bei mir ja nicht anschlagen. Ich bin gezwungen mich, meinen Körper, meine Schmerzen selbst mental zu betäuben. Allerdings schaffe ich das nur bis zu einem gewissen Grad... - es ist zu wenig. Leider fehlt mir diese Energie dann auch täglich für andere Dinge, die es eigentlich zu erledigen gibt.
Hat schon einmal jemand so starke Schmerzen gehabt, dass er sie nur noch hinausschreien möchte?
Hat schon mal jemand eine extrem schmerzenden Körperteil oder die entsprechende Körperstelle gegen irgendwelche Einrichtungsstände oder die Wand geschlagen oder hat mit Gegenständen oder mit der Faust auf diese Stellen eingeschlagen?
Hat schon mal jemand mit dem Gedanken gespielt sich den schmerzenden Körperteil einfach abzutrennen oder ein Messer dort hinein zu jagen?
Nur, damit diese höllischen Schmerzen endlich aufhören!?!?!?
Zum Glück neige ich nicht zur Selbstverstümmelung - im Gegenteil würde ich mit bestimmten Verstümmelungen sogar nicht mehr leben wollen. Aber ich schlage auf diese Stellen ein... - vor Frust, vor Wut, vor Panik und
damit diese FOLTER endlich aufhört!
Du musst Deine Einstellung ändern...
Nett, wenn man sich dann - vor dem ganzen Hintergrund - auch das noch alles anhören muss:
- "Streng Dich mal an!"
- "Du musst Dir mal selbst in den Arsch treten!"
- "Du musst Deine Einstellung ändern!"
- "Jeder Mensch hat irgendwelche Zipperlein!"
- "Du musst mal positiv denken!"
- usw.
Dazu wird dann oft noch der Zusatz nachgeschoben: "Dann wird es besser werden, es wird Dir besser gehen!" und unterschwellig schwingt dann oft noch mit: "Wie kann man sich so gehen lassen!" oder "Stell Dich nicht so an!".
Woher wollen diese Menschen alle wissen, dass es mir dann besser geht? Sind diese Menschen ich selbst? Fühlen sie das, was ich fühle?
Und: Würde ich nicht positiv denken, wäre ich schon tot.
Ich für meinen Teil empfinde dieses Verhalten, diesen Druck, den sie damit auf mich ausüben, einfach nur herzlos und gemein.
Dieser Druck kommt dann bei mir wie folgt an bzw. es löst folgendes in mir aus:
- Ich denke, ich bilde mir alles mehr oder weniger nur ein... - Schmerzen, Erschöpfung und die Folgen daraus. Mit "so ein paar Zipperlein" müsste ich doch zurecht kommen können. Natürlich ist es keine Einbildung, aber wenn ich mental sowieso schon zu kämpfen habe, suche ich die Schuld oder ein Unvermögen erst einmal bei mir selbst.
- Ich bin vielleicht zu dumm, denn wenn es so einfach ist sich mal selbst in den Arsch zu treten... Warum kann ich es nicht ständig bzw. warum bringt es keine positiven Veränderungen mit sich, wenn ich mir in den Arsch trete, sondern es macht mich nur fertig?
- Ich versuche mir nun schon länger selbst den Stress und den Druck zu nehmen, denn mir wurde mit der Zeit klar, dass mir beides gar nicht mehr gut bekommt.
Ich kann mir selbst schon auch sehr gut Druck machen: "Das geht schon!", "Du schaffst das!", "Das ist gar nicht so schwer, streng Dich einfach ein bisschen an!".
Die Folge ist aber körperliche und mentale Überanstrengung - auch infolge von Frust, weil es eben leider nicht mit "ein bisschen mehr anstrengen" getan ist. Es funktioniert einfach nicht! Verdammt!!!
Und dann kommen Leute daher und würgen mir derart unempathisch eine rein. Ganz klasse...
- Ich selbst denke auch darüber nach, warum es nicht mit "ein bisschen mehr anstrengen" getan ist. Ich frage mich, warum das nicht mehr funktioniert, warum ich nicht mehr funktioniere (das ist es doch was gewollt ist - dass wir alle funktionieren, unseren Teil dazu beitragen, dass Reiche immer reicher werden und wir gleichzeitig niemanden zur Last fallen) und infolge dessen bin ich dann - mal wieder - gefrustet.
Gerne würde ich hilfsbedürftigen Menschen helfen. Das macht in meinen Augen mehr Sinn als weiterhin dazu beizutragen Reiche reicher zu machen.
Nur wie? Ich kann mir ja selbst kaum helfen. Alles ist übermäßig anstrengend und alles, was ich mache, treibt mich tiefer in die Erschöpfung.
Ich werde derzeit knallhart mit meiner körperlichen und mentalen Unzulänglichkeit konfrontiert. Wenn dann noch solche Sprüche kommen, tut es sehr weh, ich werde traurig, werde dann sauer und frage mich, ob die, die das sagen nicht doch einfach Recht haben (ich suche zunächst also die Schuld wieder bei mir), was mir wieder zusätzlichen Druck bereitet.
Ohne, dass ich es willentlich beeinflussen kann, werden dadurch weitere Schmerzen getriggert und mit hoher Wahrscheinlichkeit steigert das auch wieder zusätzlich meine Erschöpfung.
Bisher fand ich leider keinen Weg wie ich aus diesem Teufelskreis aus Somatopsychosomatik ausbrechen könnte. Niemand fand bisher einen Weg, der mir Gesundung bringen könnte.
- Wie mache ich meinem Körper und meiner Psyche klar, dass beide gefälligst das zu tun haben, was ich will und nicht das, was sie wollen? Also ich will damit sagen, dass mein Körper nicht mal so eben eine oder beide Hände oder z. B. auch die Fußsohle eines Fußes derart schmerzen lässt, dass ich davon gefangen bin, mich nur noch krümme vor Schmerz, mir ab einem gewissen Schmerzgrad die Tränen in die Augen schießen und ich mir wünsche, dass das ganz schnell vorbei geht. Jedes beliebige Körperteil kann es so jederzeit treffen - einfach so - aus heiterem Himmel: "Überraschung... - hier ist Dein Körper... - und der sagt Dir jetzt wo es lang geht...!"
- Wie kann ich verhindern, dass mein Körper mir Signale sendet, als ob mir in Armen oder Beinen oder wo auch immer meine Muskeln zerquetscht werden? Ich fühle sowas - es fühlt sich ganz genau so an und es schmerzt höllisch. Wer steht auf sowas? Ich jedenfalls nicht - definitiv nicht!
- Wie bekomme ich meine Schmerzgrenze wieder von ganz unten nach oben - wo sie hingehört (was die Ärzte bisher versuchten funktionierte ja nicht)? Diese Muskel-, Sehnen- und was-weis-ich-Schmerzen sind nicht gleichsetzbar mit Schmerzen, wenn man sich mal stärker stößt, auch nicht mit Schmerzen nach einer größeren Operation. Diese waren ein Witz gegen die Muskelschmerzen - für mich zumindest.
Allerdings stellte ich auch fest, dass ich mit Schmerzen im Körper durch die verringerte Schmerzgrenze auch immer weniger gut klar komme als noch vor Beginn meiner Schmerzen.
- Sobald dann einmal wirklich meine Schmerzen etwas nachlassen... - eine Woche, zwei, vielleicht auch einmal drei Wochen... - bekomme ich gleich ein schlechtes Gewissen und denke: "JETZT geht es langsam wieder... - endlich..." Hoffnung keimt auch... - Hoffnung, dass die Schmerzen wieder weggehen. Leider übersehe ich über diese Hoffnung dann auch, dass die Steifigkeit dennoch immer wieder auftritt, dass die Erschöpfung nach wie vor da ist.
Ich gestehe - ich blende hier wohl auch aus, weil es Dinge sind, die ich nicht haben will... - ich will keine Schmerzen, keine Steifigkeit im Körper, keine Erschöpfung. Ich will Gesundheit.
Aber mein Körper macht sowieso was er will. Oft schon hatte ich Hoffnung - nach einer Phase, in der es mir etwas besser ging. Aber diese Erkrankung verläuft in Wellen, in Schüben. Das beinhaltet eine gewisse Unberechenbarkeit.
Nach nun schon mehreren Enttäuschungen, weil nach einer etwas besseren Phase wieder eine schlimme Phase über mich herein brach, warte ich nur noch ab, versuche es rational zu sehen, versuche mich dennoch nicht zu überanstrengen usw.
Welche Wahl habe ich? Ich kann versuchen eine etwas bessere Phase so lange wie möglich zu halten, indem ich mir eben nicht gleich selbst wieder in den Arsch trete und nicht anfange gleich wieder zu "machen". Natürlich fällt mir das nicht leicht, denn ich würde gerne wieder "machen" können.
Oder bin ich verpflichtet mich laufend wimmernd in starken Schmerzen zu winden, damit die Leute auch SEHEN können, wie krank ich bin? Vielleicht sollte ich es lassen mich so gut zusammen zu reißen so gut ich kann. Mittelgradige Schmerzen mit noch stärkeren Schmerzspitzen im ganzen Körper scheinen nicht zu reichen. Steifigkeit im Körper, die dazu führt, dass ich mich beim Gehen immer wieder irgendwo abstützen muss scheint auch nicht zu reichen. Und die Erschöpfung, die alles noch viel schlimmer macht als es eh schon ist scheint auch egal zu sein.
Ach ja - genau... - ich muss mich ja nur ein bisschen anstrengen, dann wird es schon besser werden.
- usw.
Was sind das für Menschen?
Ich habe bei manchen Menschen das Gefühl, ich muss mich ihnen gegenüber immer nur rechtfertigen... - rechtfertigen dafür, dass es mich erwischt hat, dass es mir scheiße geht und dass ich - in ihren Augen - nichts dagegen unternehme... - also z. B. meine Einstellung ändern, mir in den Arsch treten usw.
So etwas geht aber meist nicht von Menschen aus, denen es selbst schon einmal richtig schlecht erging... - es sei denn, sie neigen z. B. dazu alles zu verdrängen. Es gibt Menschen, die verdrängen über Aktionismus. Haben sie nichts um die Ohren und sie kommen zur Ruhe, beginnt es ja im Kopf zu arbeiten und sie fangen an nachzudenken über sich und ihre Situation, über ihr Leben. Das muss natürlich vermieden werden. Also müssen diese Menschen ständig etwas tun.
Das funktioniert bei mir aber nicht und es wäre in meinen Augen auch Selbstbetrug.
Derartige Argumente/Sprüche höre ich auch eher von Menschen, denen es i.d.R. gut erging im Leben. Na ja - mehr oder weniger große Probleme hat jeder einmal am Hals.
Aber existenzbedrohende Probleme? Probleme, die einen z. B. dauerhaft gesundheitlich einschränken - und das erheblich und die Perspektiven des Lebens schrumpfen schlagartig auf ein Minimum zusammen? Probleme, die einem die eigene Hilflosigkeit unverblümt vor Augen führen?
Derartige Probleme hat zum Glück nicht jeder. Aber wenn man sie hat, dann verändert sich einiges im Leben.
Aber diejenigen, denen es bisher immer relativ gut erging, wollen vielleicht gar nicht anders denken... Sie meinen, mit Willenskraft und Anstrengung und der richtigen Denkweise (wobei ich Verdrängung und alles scheinheilige Schöndenken selbst nicht als richtig empfinde) lässt sich alles wieder gerade biegen.
Ein Ereignis, das derart tiefgreifend ist, dass man körperlich und psychisch eingeschränkt ist, ist sicher eine Bedrohung... - eine Bedrohung für die heile und schöne Welt, in der die Menschen leben, denen es meist einigermaßen gut erging.
Niemand will in so einem Unleben enden, jeder will ein möglichst schönes Leben, in dem alles weitestgehend glatt läuft.
Manche Menschen bauen sich eine komplette Schön-Scheinwelt auf, indem sie laufend die weniger schönen Dinge in ihrem Umfeld ausblenden und ignorieren. Bei manchen klappt das ja auch durchaus... - bis an ihr Lebensende. Dass sie dabei nahestehenden Menschen oft wehtun, merken sie meist nicht (Negatives wird ja ausgeblendet) oder sie sind von Natur aus mit wenig Mitgefühl ausgestattet.
Meine partielle Schön-Scheinwelt zerbarst schon vor mehreren Jahren (ich verdrängte einige Jahrzehnte einiges, obwohl ich ganz gewiß nicht alles Unangenehme verdrängte sondern nur bestimmte Dinge) und danach folgte auch noch ein Nackenschlag dem nächsten.
Warum ich mir nicht einfach eine neue Schön-Scheinwelt baue? Es geht nicht mehr. Vielleicht ist das so, wenn man einmal anfing zu sehen. Selbst, wenn ich mir wieder eine Schön-Scheinwelt erstellen könnte... - ich will es nicht mehr.
Die Welt ist ungerecht, das Leben ist ungerecht - in großen und in kleinen Dingen und oft fühlte ich mich dem ausgeliefert.
Das zu begreifen war hart für mich... - zu begreifen, wie schlimm die Welt ist und dass ich dem nun umso stärker ausgeliefert bin, weil ich selbst ja nur noch wenig auf die Reihe bekomme.
Natürlich gibt es auch die vielen kleinen positiven Dinge in meinem Leben und ich sehe sie auch.
Und zum Glück gibt es auch Menschen mit Mitgefühl (nicht Mitleid - das braucht niemand), Menschen, die sich in andere Menschen hinein versetzen können und sich zumindest ansatzweise vorstellen können, wie es einem (also mir z. B.) gerade (er-)geht... - und die eben auch mitfühlen und verstehen können.
Diese Menschen bereichern unsere Welt und machen das Leben, mein Leben lebenswerter, erträglicher. Danke...
Es grüßt euch
Keydie
© Keydie Lyn